wissensmanagement - August/September 2026

Titelthema

Der smarte Arbeitsplatz als Wissensraum:
Wie Digitalisierung & Künstliche Intelligenz die Wissensarbeit verändern

Viele Beschäftigte verbringen einen großen Teil ihres Arbeitstags damit, Informationen zu suchen, Mails zu beantworten und zwischen verschiedenen Tools und Anwendungen zu wechseln. Gleichzeitig hält Künstliche Intelligenz immer stärker Einzug in die Wissensarbeit. Doch neue Technologien allein machen aus einem digitalen Arbeitsplatz noch keinen smarten Wissensraum. Entscheidend ist, wie Wissen, Prozesse und Arbeitsweisen zusammenspielen – und wie Menschen und KI dabei sinnvoll zusammenarbeiten. Wie lassen sich digitale Arbeitsumgebungen so gestalten, dass Mitarbeitende Informationen schneller finden, Wissen leichter teilen und effizienter arbeiten können? Und welche Voraussetzungen braucht es, damit KI tatsächlich Mehrwert schafft? Antworten erhalten Sie in der aktuellen Ausgabe von „wissensmanagement – Das Magazin für Digitalisierung, Vernetzung & Collaboration“.



Editorial

Smartes Arbeiten braucht mehr als nur KI

von Nicole Lehnert

Künstliche Intelligenz hält Einzug in immer mehr Unternehmen. Texte entstehen in Sekunden, Informationen werden automatisch zusammengefasst und KI-Agenten übernehmen zunehmend Routineaufgaben. Doch je selbstverständlicher der Einsatz neuer Technologien wird, desto deutlicher zeigt sich: KI allein verändert noch keine Organisation. Der smarte Arbeitsplatz entsteht nicht alleine durch neue Tools, sondern insbesondere auch durch neue Formen der Zusammenarbeit, des Wissensaustauschs und der Führung.


Praxis Wissensmanagement

Mobiles Arbeiten | Mehr Arbeit = mehr Leistung? Warum Produktivität von weit mehr abhängt als Arbeitszeit und Präsenz

von Corinna Häsele

Wer mehr arbeitet, leistet mehr. Auf den ersten Blick klingt das plausibel. Auch in der aktuellen Debatte über längere Arbeitszeiten und die Rückkehr ins Büro hält sich diese Annahme hartnäckig: Mehr Präsenz soll automatisch zu mehr Produktivität führen. Doch stimmt das tatsächlich? Produktivität hängt weit weniger von der Zahl der Arbeitsstunden oder der physischen Anwesenheit ab als von den Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten. Faktoren wie psychologische Sicherheit, Regenerationsmöglichkeiten, Autonomie oder eine konstruktive Fehlerkultur beeinflussen Leistungsfähigkeit und Innovationskraft häufig deutlich stärker als reine Präsenz.


Künstliche Intelligenz | Die Stadt Kerpen digitalisiert mit KI ihre Papierberge: Wie die Ausländerbehörde über 6.000 Akten digitalisiert und dabei rund 19 Monate Arbeitszeit eingespart hat

von Michael Vo

Viele Kommunen stehen vor der Aufgabe, jahrzehntelang gewachsene Informationsbestände in moderne digitale Prozesse zu überführen. Gleichzeitig sollen Mitarbeitende entlastet und Verwaltungsleistungen schneller erbracht werden. KI-gestützte Technologien können dabei eine Schlüsselrolle spielen. Welche Potenziale sich dadurch erschließen, verdeutlicht ein Digitalisierungsprojekt der Stadt Kerpen.


Best Practice | Smarte Logistik: Von Papierstapeln zur digitalen Tour. Wie der Holzgroßhändler Roggemann 100 Lkw an neun Standorten digital vernetzt

von Monika Tonne

Bei der Enno Roggemann GmbH & Co. KG gehört die Zettelwirtschaft der Vergangenheit an. Innerhalb kürzester Zeit digitalisierte der Holzgroßhändler seine Auftragsabwicklung an allen neun Standorten. Die Einführung der All-in-One-Software für Telematik und digitales Auftragsmanagement erfolgte schrittweise und orientierte sich konsequent an den bestehenden Prozessen. Heute profitieren das rund 100 Lkw starke Unternehmen, seine Fahrer und seine Kunden von effizienteren Abläufen, einer höheren Transparenz und einer durchgängig digitalen Tourenabwicklung.


Titelthema

Veränderungsprozesse | Die Transformations-Illusion: Warum viele Unternehmen den KI-Einsatz mit organisationalem Wandel verwechseln

von Dr. Florian Buehler

Generative KI sorgt derzeit für einen beispiellosen Schub bei Texten, Konzepten, Programmcode und Strategiepapieren. Der Output wächst rasant – die tatsächliche Wertschöpfung vieler Unternehmen jedoch nicht. Der Grund dafür ist eine folgenschwere Verwechslung: Wer KI einsetzt, glaubt häufig bereits, den eigenen Wandel voranzutreiben. Tatsächlich beginnt Transformation aber erst dort, wo sich Arbeitsweisen, Entscheidungsprozesse und Organisationsstrukturen verändern.


Changemanagement | Transformation beginnt im Arbeitsalltag: Warum neue Gewohnheiten über den Erfolg von KI und Digitalisierung entscheiden

von Dr. Rahild Neuburger

Unternehmen stehen heute unter erheblichem Transformationsdruck. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, veränderte Marktbedingungen und wirtschaftliche Unsicherheiten erfordern eine kontinuierliche Anpassung von Strategien, Prozessen und Strukturen. Transformation wird dabei häufig als größeres organisatorisches Projekt verstanden – wie z.B. die Einführung neuer Informationssysteme, die Reorganisation von Abläufen oder – gegenwärtig aktuell – die Implementierung von KI-Systemen und KI-Agenten. Derartige Vorhaben können jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn die angestrebten Veränderungen im Arbeitsalltag der Mitarbeitenden tatsächlich gelebt werden.


Automatisierung | Agentic AI trifft auf analoge Realität: Warum viele Unternehmen für autonome Prozesse noch nicht bereit sind

von Mark Holenstein

KI-Agenten sollen Prozesse koordinieren, Entscheidungen vorbereiten und Routineaufgaben eigenständig erledigen. Eine entscheidende Voraussetzung wird dabei jedoch in vielen Unternehmen unterschätzt: Autonome Systeme können nur mit den Informationen arbeiten, die ihnen tatsächlich zur Verfügung stehen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie groß die Lücke zwischen den KI-Ambitionen und der organisatorischen Realität vieler Unternehmen noch immer ist.


Implementierung | So verbessern Sie Ihre Knowledge Readiness: Wie Unternehmen den Sprung vom KI-Pilotprojekt in den Live-Betrieb schaffen

von Martin Rückert, Marc Seidemann

Die anfängliche Euphorie rund um generative Künstliche Intelligenz weicht in vielen Unternehmen einer strategischen Feinjustierung. Doch während Pilotprojekte boomen, stockt häufig die Skalierung in den produktiven Live-Betrieb. Der Grund dafür ist selten die Technologie selbst – vielmehr fehlt es an der notwendigen „KI Readiness“. Wer KI wertschöpfend einsetzen will, muss Wissensmanagement deshalb neu definieren.


Enterprise Search | Metadaten mit Bedeutung: Wie aus Beschriftungen nutzbares Wissen wird: Warum semantische Metadaten die Grundlage moderner Wissenssysteme sind

von Sandra Starchenko

Wer abends in einem Kochportal nach einem veganen Rezept sucht und stattdessen ein Gulasch mit Speck angezeigt bekommt, erlebt ein vertrautes Symptom schlecht gepflegter Metadaten: Jemand hat das Schlagwort „vegan“ vergeben, ohne dessen Bedeutung verbindlich festzulegen. Dasselbe Phänomen begegnet Wissensmanagerinnen und Wissensmanagern in nahezu jeder Organisation – ob bei Vertragsentwürfen, Messreihen oder internen Dokumenten. Werden Inhalte lediglich beschriftet, statt inhaltlich eindeutig beschrieben, entstehen Inkonsistenzen, die sich mit wachsendem Datenbestand kaum noch korrigieren lassen.


Digitalisierung

Künstliche Intelligenz | KI: Wer ist verantwortlich?

von Lisa Catena Gyger

In vielen Unternehmen entsteht derzeit ein neues Missverständnis: Weil künstliche Intelligenz schnell analysiert, formuliert und strukturiert, entsteht der Eindruck, sie könne auch Entscheidungen treffen. Doch genau hier liegt die größte Gefahr. KI-Systeme sind in der Lage, riesige Datenmengen auszuwerten, Muster zu erkennen und Vorschläge zu generieren. Sie berechnen Wahrscheinlichkeiten, vergleichen Optionen und formulieren scheinbar überzeugende Empfehlungen. Was sie nicht können, ist Verantwortung übernehmen.


Künstliche Intelligenz | Wenn KI dem Image schadet: Wie Halluzinationen die Markenreputation gefährden

von Markus Bockhorni

Halluzinationen großer Sprachmodelle wie ChatGPT stellen eine reale Gefahr für die Markenreputation dar – und sie sind oft schwer zu erkennen. Sprachmodelle wurden nicht darauf trainiert, Fakten zu überprüfen, sondern Texte zu erzeugen, die plausibel und überzeugend wirken. Das zeigt auch ein offizieller Evaluierungsbericht von OpenAI: Auf dem hauseigenen Fakten-Benchmark erreichten die getesteten Modelle Halluzinationsraten von rund 51 Prozent. Die Folge sind falsche Behauptungen, erfundene Quellen oder fehlerhafte Zahlen, die sich kaum von korrekten Aussagen unterscheiden lassen. Im Marketingalltag landen solche Inhalte schnell in Blogartikeln, Pressemitteilungen oder Produkttexten – häufig ohne zweite Prüfinstanz. Doch wie lassen sich solche Falschaussagen erkennen? Und welche Maßnahmen sollte Unternehmen zur Qualitätssicherung ergreifen?


Human Resources

Leadership 2.0 | Wird KI zur Gefahr für Führungskräfte?

von Christian Polz

Was müssen Führungskräfte künftig können? Welche Zukunftskompetenzen sind entscheidend, um den Herausforderungen souverän zu begegnen? Bei der Beantwortung dieser Fragen spielt der Umgang mit Künstlicher Intelligenz eine zentrale Rolle. Ein Aspekt bleibt dabei jedoch häufig außer Acht: Viele Entscheider stehen der KI mit Vorbehalten gegenüber, weil sie einen Verlust an Autorität, Identität und Kompetenz befürchten.


Wissenstransfer | Wissen teilen heißt Wissen bewahren: Warum wertvolles Erfahrungswissen im Unternehmen zirkulieren muss

von Sabine Prohaska

Das in einer Organisation vorhandene Wissen muss geteilt werden, damit es seine Wirkung entfalten kann. Das gilt insbesondere für Erfahrungswissen, das in den Köpfen der Mitarbeitenden gespeichert ist und sich einer vollständigen Dokumentation in Datenbanken entzieht. Denn in vielen Unternehmen werden Organisations- und Projektstrukturen zunehmend fluider, verändern sich Teams immer schneller und wechseln Mitarbeitende häufiger ihre Rollen. Hinzu kommt, dass aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Know-how-Träger aus den Unternehmen ausscheiden. Deshalb gewinnt neben der Wissensspeicherung auch die Weitergabe und Zirkulation von Wissen zunehmend an Bedeutung.


Trends

Projektmanagement | Wann ist ein Projekt erfolgreich?

von Denis Lassance

Die Anforderungen an Projekte verändern sich grundlegend. Gleichzeitig sind Projekte durch das Zusammenspiel organisatorischer, umfeldbezogener und menschlicher Dynamiken von Natur aus komplex. In Zeiten technologischer Umbrüche, wirtschaftlicher Unsicherheit und zunehmender Transformation reicht es längst nicht mehr aus, Projekte termingerecht und innerhalb des Budgets abzuschließen. Die entscheidende Frage lautet heute: Woran messen Unternehmen Projekterfolg?

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