2024/5 | Editorial | Editorial

Happy Birthday, wissensmanagement!

von Nicole Lehnert

25 Jahre - so alt ist die Zeitschrift "wissensmanagement" heute fast auf den Tag genau. 25 Jahre - das ist doch eigentlich kein Alter. So jung noch? In der (Fach-)Medienbranche gilt eine andere Zeitrechnung. Vor allem wenn es um den Printbereich geht. Da ist ein Vierteljahrhundert eine stolze Jahreszahl. Das gilt umso mehr, wenn es um ein Thema wie Wissensmanagement geht. Schon häufig tot geglaubt, ist das Wissensmanagement heute aktueller und wichtiger denn je. Es hat die Ära der Gelbe-Seiten-Systeme und die digitalen Anfänge des Vorschlagwesens überlebt, sogar die geplatzte Dotcom-Blase überstan­den. Und seit den Anfängen bis heute gilt, dass das Wissensma­nagement konsequent den Mensch in den Mittelpunkt stellt. Oder zumindest stellen sollte. Was passiert, wenn man Wissensmanagement versucht, rein technisch zu implementieren, ist immer wieder auch bei ambitionierten (und oft kostspieligen) Initiativen zu beobachten, die sehr schnell wieder im Sande verlaufen und häufig nur noch in Form roter Zahlen in der Bilanz zu erkennen sind.

Bildquelle: (C) OpenClipart-Vectors / Pixabay

Gerade heute, angesichts von Digitalisierung und Künstlicher In­telligenz, ist es wichtiger denn je, den Mensch in den Fokus wissensintensiver Vorhaben zu stellen. Schließlich sind es die Mitar­beiter, die Kunden, die Lieferanten und alle anderen menschlichen Beteiligten, die die eigentlichen Wissensträger sind. Sie sammeln Erfahrungen, interpretieren und kommunizieren sie, um neues Wissen zu generieren. Anders als IT-Lösungen, so intelligent sie sein mögen: Sie generieren kein Wissen, sie kombinieren "lediglich" Vorhandenes. Wobei man anerkennend zugeben muss, dass sie das so gut machen, dass es einem mitunter die Sprache verschlägt. Aber genau deshalb setzt die Kombination aus "intelligenter" IT und erfahrenen Menschen gerade dazu an, ein neues Dreamteam zu bilden. Bis das final gelingt, liegt aber noch ein bisschen Arbeit vor uns. Die nächsten 25 Jahre dürfen also gerne kommen. Wir freuen uns darauf, das Thema Wissensma­nagement auch weiterhin begleiten und mitgestalten zu dürfen.

Ein großer Dank gilt an dieser Stelle den vielen Autoren und Le­sern, die sich kontinuierlich mit dem Thema auseinandersetzen und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit der wert­vollen Ressource Wissen bereitwillig teilen. Und ein weiterer Dank gilt Dr.-Ing. Wolfgang Sturz, der die Zeitschrift "wissensmanagement" vor 25 Jahren ins Leben gerufen hat. Wie das damals für ihn war und wie er die aktuelle Bedeutung und künftige Ent­wicklung des Themas Wissensmanagement beurteilt, schreibt er selbst in einem persönlichen Rück- und Ausblick ab Seite 8.

Ich wünsche Ihnen eine wissensintensive Lektüre.

Ihre Nicole Lehnert
- Chefredakteurin -

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Wenn aus Abfall Daten werden

Aus den Augen, aus dem Sinn - so geht es vermutlich vielen Leuten beim Thema Abfall. Für die Münchner MARTIN GmbH geht der Job dann aber erst los. Seit über 100 Jahren baut das Unternehmen thermische Abfallbehandlungsanlagen zur Energiegewinnung. Und neuerdings auch mit hochmoderner IoT-Datenauswertung. Um etwa den Zustand der Anlagen oder die Ausschüttung von Emissionen zu überprüfen, kommt mittlerwi...

Weiterlesen

Über diese Fallen stolpern KI-Projekte in der Produktion

Produktionsbetriebe gelten als eines der größten und vielversprechendsten Einsatzgebiete für Künstliche Intelligenz. Doch häufig stehen Aufwand und Ertrag, Erwartungen und Ergebnisse von KI-Projekten in einem krassen Missverhältnis. Verantwortlich dafür sind charakteristische Irrtümer und Fehlentscheidungen, die es zu vermeiden gilt....

Weiterlesen

Smarte Logistik: Von Papierstapeln zur digitalen Tour. Wie der Holzgroßhändler Roggemann 100 Lkw an neun Standorten digital vernetzt

WISSENplus
Bei der Enno Roggemann GmbH & Co. KG gehört die Zettelwirtschaft der Vergangenheit an. Innerhalb kürzester Zeit digitalisierte der Holzgroßhändler seine Auftragsabwicklung an allen neun Standorten. Die Einführung der All-in-One-Software für Telematik und digitales Auftragsmanagement erfolgte schrittweise und orientierte sich konsequent an den bestehenden Prozessen. Heute profitieren das rund ...

Weiterlesen

Kompetenzaufbau im Arbeitsalltag: Wenn KI zum Lernbegleiter wird

WISSENplus
KI verändert als lernendes System Arbeitsprozesse und Aufgaben. Im Unterschied zu vielen bekannten Werkzeugen kann KI kognitive und repetitive Tätigkeiten übernehmen, datenbasiert Entscheidungen vorbereiten und zugleich als Dialogpartner fungieren. Die Grenzen zwischen der Nutzung als Unterstützungstool - wie wir sie von klassischen Werkzeugen oder dem PC kennen - und interaktiver Zusammenarbeit s...

Weiterlesen

Wenn KI dem Image schadet: Wie Halluzinationen die Markenreputation gefährden

WISSENplus
Halluzinationen großer Sprachmodelle wie ChatGPT stellen eine reale Gefahr für die Markenreputation dar – und sie sind oft schwer zu erkennen. Sprachmodelle wurden nicht darauf trainiert, Fakten zu überprüfen, sondern Texte zu erzeugen, die plausibel und überzeugend wirken. Das zeigt auch ein offizieller Evaluierungsbericht von OpenAI: Auf dem hauseigenen Fakten-Benchmark erreichten die getestet...

Weiterlesen

Kollege KI in der Praxis: 4 Beispiele, wie digitale Agenten den Alltag erleichtern

In vielen Industrieunternehmen verzögern sich Abläufe immer noch durch manuelle Routinetätigkeiten. Das Prüfen von Kundenaufträgen, das Überwachen von Lagerbeständen oder die Materialbeschaffung binden Mitarbeitende und ziehen Prozesse in die Länge. Dabei könnten all diese Aufgaben längst sicher und zuverlässig automatisiert erledigt werden. Doch wie kann der "Kollege KI" den Allta...

Weiterlesen

Was können Communities of Practice leisten?

WISSENplus
Wissensmanagement ist ein strategisches Thema in Organisationen. Und eines, das in der Praxis oft hinter den Erwartungen zurückbleibt. Wikis werden angelegt und nicht gepflegt. Schulungen vermitteln Wissen, das im Arbeitsalltag nicht umgesetzt wird. Wertvolles Erfahrungswissen bleibt in Abteilungen oder bei einzelnen Personen. Unsichtbar für den Rest der Organisation. Interne Communities of Practice ...

Weiterlesen

Peritus sum: Ich bin ein Experte!

WISSENplus
Ich kann mich noch gut erinnern - ein Teilnehmer in meinem Digital Business Modeling-Kurs hatte mich dreimal darauf aufmerksam gemacht: "Joachim, du zeigst immer wieder Sweetspots auf, allerdings fehlt mir die Tiefe." Der Wissensdurst des Teilnehmers war erstaunlich, und ich hatte Schwierigkeiten, zu identifizieren, welches Wissen der Teilnehmende genau braucht. Ehrlicherweise hatte ich den B...

Weiterlesen